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St.Galler Abwasserreinigungsanlagen werden ausgebaut

März 22, 2016

Medika­menten­rück­stände bleiben im Wass­er und
verur­sachen Mikroverun­reini­gun­gen © Raouf Sel­mi

 

Zahlre­iche Mikroverun­reini­gun­gen aus Indus­trie- und Haushaltchemikalien fliessen in die Abwasser­reini­gungsan­la­gen (ARA). Dort wer­den sie nur schlecht oder gar nicht abge­baut und gelan­gen in die Gewäss­er. Dadurch kön­nen Gewässer­lebe­we­sen geschädigt wer­den. Im Kan­ton St.Gallen wer­den darum in den näch­sten Jahren mehrere ARA mit zusät­zlichen Behand­lungsstufen aus­gerüstet.

Seit dem 1. Jan­u­ar 2016 schreibt die eid­genös­sis­che Gewässer­schutzge­set­zge­bung für bes­timmte ARA einen min­i­malen Reini­gungsef­fekt für Mikroverun­reini­gun­gen vor. In der Schweiz sind rund 120, im Kan­ton St.Gallen aktuell acht Anla­gen von der neuen Vorschrift betrof­fen. Diese Anla­gen wer­den mit zusät­zlichen Behand­lungsstufen aus­gerüstet, um Mikroverun­reini­gun­gen zu beseit­i­gen. Damit soll der Ein­trag von Mikroverun­reini­gun­gen in die Gewäss­er ver­ringert wer­den.

Welche Anla­gen wer­den aus­ge­baut?

Die Gewässer­schutzverord­nung legt fest, welche ARA aufgerüstet wer­den müssen. Dazu gehören zum einen ARA mit mehr als 80‘000 angeschlosse­nen Ein­wohner­in­nen und Ein­wohn­ern oder ARA im Einzugs­ge­bi­et von Seen mit mehr als 24‘000 angeschlosse­nen Ein­wohner­in­nen und Ein­wohn­ern. Zum anderen sind ARA an Gewässern mit einem Abwasser­an­teil von mehr als zehn Prozent betrof­fen. Bei dieser Kat­e­gorie muss der Kan­ton in ein­er Pla­nung über das Einzugs­ge­bi­et fes­tle­gen, welche ARA aufzurüsten sind.

Sit­u­a­tion im Kan­ton St.Gallen

Im Kan­ton St.Gallen müssen auf­grund der heuti­gen Kri­te­rien acht ARA aus­ge­baut wer­den. Es sind dies die ARA Altenrhein in Thal, Rosen­bergsau in Au, Rap­per­swil-Jona, Wil, Ober­glatt in Flaw­il, St.Gallen-Au, St.Gallen-Hofen in Wit­ten­bach und Mor­gen­tal in Steinach. Die ARA St.Gallen-Hofen und Mor­gen­tal pla­nen eine gemein­same Behand­lungsstufe auf dem Are­al der ARA Mor­gen­tal, was schweizweit bish­er einzi­gar­tig ist. In der Region Wil-Uzwil sind Abklärun­gen zur Zusam­men­le­gung der ARA im Gang.

Die ARA Buchs und die ARA Obersee in Schmerikon liegen bei­de im Einzugs­ge­bi­et eines Sees. An bei­de ARA sind heute noch nicht 24‘000 Per­so­n­en angeschlossen. Diese Schwelle wird voraus­sichtlich im Laufe der näch­sten Jahre über­schrit­ten. Für die ARA Buchs sind deshalb Mass­nah­men geplant. Die ARA Obersee hinge­gen wurde kür­zlich aus­ge­baut. Eine Reini­gungsstufe zur Elim­i­na­tion von Mikroverun­reini­gun­gen wird zu einem späteren Zeit­punkt aktuell. Die Frist für den Aus­bau der ARA dauert bis zum Jahr 2035.

Erste Nachrüs­tun­gen bis 2021

Die meis­ten betrof­fe­nen ARA haben mit den Pla­nungsar­beit­en für den Aus­bau bere­its begonnen. Bis zum Jahr 2021 sollen vier Anla­gen über eine Stufe zur Elim­i­na­tion von Mikroverun­reini­gun­gen ver­fü­gen. Der Aus­bau aller Anla­gen im Kan­ton St.Gallen wird Investi­tio­nen von rund 100 bis 120 Mil­lio­nen Franken aus­lösen. 75 Prozent davon finanziert der Bund über eine Abgabe von neun Franken je angeschlossen­em Ein­wohn­er.

Mikroverun­reini­gun­gen – woher und wohin?

Mikroverun­reini­gun­gen, organ­is­che Spuren­stoffe, kom­men in sehr tiefen Konzen­tra­tio­nen in den Gewässern vor (Mil­liard­s­tel- bis Mil­lion­s­tel-Gramm pro Liter). Einige von ihnen kön­nen bere­its in diesen tiefen Konzen­tra­tio­nen Wasser­lebe­we­sen schaden. Zu den Mikroverun­reini­gun­gen gehören Rück­stände von Medika­menten, Inhaltsstoffe in Reini­gungs- und Desin­fek­tion­s­mit­teln, Kör­perpflege­pro­duk­ten oder Indus­triechemikalien sowie Pes­tizide gegen uner­wün­schte Pflanzen, Insek­ten oder Pilze. Viele Mikroverun­reini­gun­gen gelan­gen mit dem Abwass­er aus pri­vat­en Haushal­ten und aus der Indus­trie zur ARA und wer­den dort schlecht oder gar nicht abge­baut oder zurück­ge­hal­ten. Wirk­stoffe in Medika­menten wer­den mit dem Urin wieder aus­geschieden und gelan­gen eben­falls ins Abwass­er. Im Obst- oder Acker­bau einge­set­zte Pes­tizide kön­nen durch Abdrift oder bei Regen­wet­ter direkt in die Gewäss­er gelan­gen.

Welt­wassertag am 22. März 2016: Wass­er und Arbeit­splätze

Am 22. März find­et seit 1993 der UN-Welt­wassertag statt. Dieses Jahr ste­ht er unter dem Mot­to „Wass­er und Arbeit­splätze“. In den 42 St.Galler ARA arbeit­en rund 150 Per­so­n­en. Für den Aus­bau der St.Galler ARA zur Elim­i­na­tion von Mikroverun­reini­gun­gen sind Investi­tio­nen von über 100 Mil­lio­nen Franken geplant. Dies entspricht während der Dauer von 20 Jahren über 500 Jahresvol­lzeit­stellen. Damit wer­den vor allem Arbeit­splätze in der Region geschaf­fen.